Früher war Rohr eine Gemeinde, mit allem drum und dran, ein Dorf würde ich sagen. Heute ist man ein Stadtteil. Aber ich habe nicht das Gefühl, in einer Stadt zu leben. Vom Gefühl her hat sich für mich nichts geändert. – Christel, 77J.
Der Kindergarten der was schon immer hier. Da sind sogar meine beiden Mädchen schon hin. Er sieht immer noch gleich aus wie damals. Man kann ausrechnen wie lange das her ist, meine Mädchen sind jetzt auch schon über 60 Jahre alt. – Leo, 92 J.
Wir haben heute einen ganz normalen Nachmittag, aber es fährt hier ein Auto nach dem anderen durch Rohr hindurch. – Kurt, 69 J.
Schulmässig ist es schon super in Rohr. Es gibt zudem viele Kindertagesstätten, auch in den neuen Blöcken, die hier enstanden sind. – Harald, 72 J.
Ich habe damals nein gestimmt für die Fusion, weil ich nicht so stark mit Aarau verknüpft sein wollte. Ich wollte, dass wir selbständig sind, jetzt müssen wir immer nach Aarau wenn wir etwas von einem Amt brauchen, das ist schon etwas mühsam. Auch die Banken wurden uns weggenommen. Es gab hier eine Filiale der Neuen Aargauer Bank an der Kreuzung, wo es nach Buchs geht, in dem grossen Block. Plötzlich war die dann zu. Ich denke, es geht nicht lange, und dann wird die Post hier auch geschlossen. – Heidi, 56 J.
Die Bünten in Rohr sollen erhalten bleiben. Den Tennisplatz wollen sie aber nicht mehr, die spielen jetzt an der Suhre unten. Ich dachte zwar sie würden hier vergrössern, unten sind sie eher eingeengt, hier hat es noch viel Platz. Aber sie wollen hier noch ein paar Blöcke bauen. Dann müssen sie aber auch wieder Schulhäuser bauen. Und Strassen bauen, denn diese Strasse hier reicht dann nicht mehr. – Mann, 87 J.
Bei der Abstimmung zur Fusion, da war ich auch dafür. Uns wurden ganz andere Dinge versprochen. Zum Beispiel dass es urbaner wird in Rohr. Dass es mehr Läden gibt und eine Kneipe, wo man abends hingehen kann und man Leute trifft, die man lange nicht mehr gesehen hat. Das gibt es hier alles nicht. – Christel, 77J.
Beim Zusammenschluss Aarau Rohr wurde uns versprochen, dass die Gemeindestelle erhalten bleibt. Als Anspruchsstelle. Die wurde aber nach kurzer Zeit schon wieder geschlossen, jetzt müssen wir immer nach Aarau. Für ältere Personen ist das sehr erschwerlich. Wenn man nicht mehr mobil ist, muss man jedesmal eine Vollmacht schreiben und jemanden hinschicken. – Harald, 72 J.
Ich bin jetzt schon 92 Jahre alt, gehe aber immer noch jassen. Wir gehen jetzt immer nach Rupperswil, weil es in Rohr keine richtigen Beizen mehr hat. Jemand der auch jasst kommt uns dann jeweils mit dem Auto abholen, wir gehen also alle miteinander dorthin. – Leo, 92 J.
Heute kennt man in Rohr die Leute nicht mehr. – Mann, 87 J.
Auch dass wir die Abfälle wie Eisen jetzt in den Werkhof nach Aarau bringen müssen, ist sehr mühsam. Gerade für ältere Menschen, die nicht mehr Auto fahren, ist dies fast unmöglich, man ist immer auf Hilfe von Dritten angewiesen. Vorher konnte man diese Dinge gleich beim Mehrzweckgebäude entsorgen. – Heidi, 56 J.
Was gut klappt in Rohr, ist die Grün- und Kehrrichtabfuhr. Aber mit der Sauberkeit, das ist nicht gut gelöst. Das hört man im ganzen Dorf. Vieles bleibt lange liegen, auch abgeschnittenes Grünzeug und im Herbst die Blätter. Als dies noch von der Gemeinde gemacht wurde, da war es immer sauber und ordentlich. – Kurt, 69 J.
Den Fussballplatz vom FC Rohr, den haben wir damals noch selbst gemacht. So um 1970 war das, in Frondienstarbeit. Der Besitzer des Kieswerks in Rohr - dieses gibt es heute nicht mehr - der kam mit seinem Trax und planierte alles. Wir haben Humus aufgeschüttet. Wir waren richtig stolz auf unseren Fussballplatz. Früher waren wir auch mit viel mehr Begeisterung beim Fussball dabei. Man hat hier in Rohr bis dritte Liga Fussball gespielt, das Niveau war damals aber hoch. Wir haben einmal bei minus 15 Grad Fussball gespielt, das weiss ich noch, mit kurzen Hosen und ohne Handschuhe. Der Boden war gefroren. Das gibt es heute nicht mehr, schon im Oktober, wenn es ein wenig regnet, wird der Match abgesagt.. – Harald, 72 J.
Ich buche unsere Reisen über Conny Tours in Rohr. Das ist einheimisches Gewerbe. Das finde ich sehr wichtig, dass man die Einheimischen unterstützt. Als ich hierherkam da brauchte ich natürlich Gardinen. Ich hätte natürlich nach Aarau gehen können, in die grossen Geschäfte. Aber hier in Rohr gab es eine kleine Gardinennäherei, da habe ich die genommen. Und die Näherin ist zu mir nach Hause gekommen, hat das alles ausgemessen und mir sogar noch Sofakissen dazugenäht. Das ist doch viel einfacher, als wenn ich ins Kaufhaus gehe. Heute ist dort eine Änderungsschneiderin drin. Da gehe ich aber jetzt auch hin, wenn ich mir die Hosen kürzer machen will. – Christel, 77J.
Es ist hier halt nicht mehr so wie früher. Früher wusste ich von jedem Kind und „Schulgoof“ wo er wohnt, ich kam ja auch in ihr Haus rein. – Leo, 92 J.
Viele Restaurants in Rohr wurden geschlossen. Das Rössli steht heute leer, den Sternen gibt es noch, aber der sagt mir heute nichts mehr. Wenn wir essen gehen wollen, gehen wir raus aus Rohr.– Kurt, 69 J.
Mit einkaufen ist es in Rohr ganz schwierig. Wir haben nur einen einzigen Coop. Rohr hat sich derart vergrössert, da sind so viele neue Leute gekommen. Manchmal sind Grundnahrungsmittel nicht mehr da. Das ist doch verrückt. Was machen die Leute die überhaupt nicht mobil sind, die noch nicht einmal auf den Bus können. Ich bin zum Glück noch in der Lage dass ich dann mit dem Bus nach Aarau fahren kann. – Christel, 77J.
Für 3500 Personen in Rohr gibt es eine Metzgerei, eine Bäckerei und einen Coop. Wenn ich zurückdenke was wir da alles einmal hatten; zwei Metzgereien, zwei Läden, und von den vielen Restaurants reden wir gar nicht. – Harald, 72 J.
Das Haus auf der gegenüberliegenden Strassenseite steht eigentlich unter Denkmalschutz. Der jetzige Besitzer reisst jedoch fortlaufend alles ab, ohne Baubewilligung. Das ging so lange bis dies die Nachbarin in Aarau gemeldet hat. Darauf folgte ein Baustopp. Ich hoffe, er muss wieder alles so herrichten wie es war. Unser Haus steht ebenfalls unter Denkmalschutz, wir dürfen nichts verändern, und das finde ich auch gut so. – Heidi, 56 J.
Das Dorfzentrum war einmal hier, weiter von Aarau entfernt, hier stehen auch noch die alten Dorfbrunnen und die alte Strasse. Auch drei Schulhäuser standen hier, die werden heute nicht mehr genutzt. Jetzt gibt es das neue Schulhaus neben dem Gemeindehaus. Früher war dort nicht viel. Ein paar Häuser und vor allem Wiesen. Und jetzt kommt man kaum mehr durch. – Kurt, 69 J.
Ich wohne gleich da hinten. Vor 60 Jahren habe ich dort gebaut. Da war nichts ausser einem Acker. Der Friedhof war da bereits. Vom Friedhof weg gab es also nur Wiesen und ein Wald war da. Den Wald haben sie während des Krieges umgetan. Jetzt sind da Blöcke. Deshalb heisst die Strasse dort Rodungsweg, weil sie dort gerodet haben. Das war schade für den Wald. Danach hatte es dort so Steine. Schüler mussten diese Steine auflesen gehen. Die Bauern wollten das Land trotzdem nicht. Jahrelang lag dieses Land brach. Ich weiss noch gut, es lag da ein riesiger Steinhaufen, dort gingen die Kinder im Winter jeweils schlitteln. – Leo, 92 J.
Die Böschung über dem Rohrer Schachen wurde aufgeschüttet. Die Aufschüttung dauerte sehr lange, um die 20 Jahre. Das war eine Riesenarbeit, es wurde mit der Zeit immer mehr aufgeschüttet. Zum stabilisieren mussten massive Rohre reingeschlagen werden. Jetzt stehen hier Blöcke der Siedlung Quellenpark. Früher war hier das Restaurant Quellengrund. Das war ein Treffpunkt der Rohrer Bevölkerung. Da war nichts weiter sonst, nur das Restaurant mit einem kleinen überdachten Garten. Wenn du da hinten rausgegangen warst und zuviel getrunken hattest, bist du die steile Böschung hinuntergefallen. – Harald, 72 J.
Wenn sie ältere Menschen aus Rohr fragen, dann werden die alle sagen, dass es früher besser war und sich heute die Struktur der Gemeinde negativ verändert hat und es heute weniger Zusammenhalt gibt. Das ist aber ganz normal, das hat die Generation davor auch schon gesagt. Das ist die Veränderung, die vielen zu schaffen macht. Auch die vielen neuen Kommunikationswege tragen dazu bei. Man spricht weniger mit den Nachbarn und ist dafür mehr mit der ganzen Welt vernetzt. Dies ist aber nicht unbedingt schlecht, die Globalisierung hat durchaus auch was. – Christel, 77J.
In Rohr gibt es keine Quartierfeste, so wie ich das kenne. Dass man gemeinsam ein Fest organisiert, Bänke anschleppt, Grill aufstellt, und dann bis spät in die Nacht zusammensitzt. So ein Stadtteilfest für Jung und Alt, das fehlt hier. Am 1. August gibt es eine Feier, aber das ist nicht das gleiche.. – Christel, 77J.
Dort bei mir, wo das Pfarrhaus ist, war eine Matte. Jedes Jahr kam da eine Schafherde rein. – Leo, 92 J.
Früher gab es beim Restaurant Sternen eine Minigolfanlage. Da war ich Abwart, und dann später bei der Kegelbahn ebenfalls. Das war eine gute Zeit, da gehörte das Restaurant der Studer Anni und der Sternen wurde als Treffpunkt genutzt. Ein solcher Ort fehlt heute. – Kurt, 69 J.
Wir laufen jede Woche zwei Mal nach Buchs zum Fitnesstraining, und auf dem Weg liegen meistens Büchsen und Zigarettenschachteln auf dem Boden. Littering ist hier schon ein Problem. – Harald, 72 J.
Wir waren damals 80-90 Leute, die als Gründungsmitglieder den Tennisclub in Rohr ermöglicht haben. Der Platz ist immer noch top, er wird jedes Jahr von einer Tennisbaufirma erneuert und der Sand aufgeschüttet. Allerdings wird der Tennisplatz in Rohr verschwinden, da der Pachtvertrag 2018 ausläuft. Danach kommen hier Häuser hin. Es ist aber nicht klar, was für Häuser das sein werden. Zweistöckige oder doch höhere Blöcke. Die Schrebergärten nebenan sollten allerdings erhalten bleiben. – Harald, 72 J.
Bei der Fusion 2010 mit Aarau haben sie uns alles Mögliche versprochen, unter anderem einen tieferen Steuerfuss. Wir hatten 118, jetzt ist er bei 94. Aber mit der Zeit wird der Steuerfuss auch wieder raufgehen, mit der ewigen Bauerei hier. – Kurt, 69 J.
Vor der Fusion war hier einmal eine Abfallentsorgung, wo man Metall, Porzellan und Bauschutt hingeben konnte. Das ist jetzt alles geschlossen, jetzt muss man in den Werkhof nach Aarau gehen. Früher konnte man da mit dem Velo und dem Handwagen einfach hingehen. Heute ist es schwierig, wenn man nicht mehr so mobil ist. Da muss man schon fast das Taxi nehmen, das wird aber ein teurer Spass. – Christel, 77J.
Der Gemeindesportplatz in Rohr ist für die Jungen ein toller Ort um Fussball zu spielen. Hier hat es viel Platz, er ist auch nie überfüllt, das sind ideale Voraussetzungen. – Harald, 72 J.
Für die ganz Kleinen hat es in Rohr eigentlich alles. Aber für die Jugendlichen und Teenager, da bin ich mir nicht sicher, da hat es glaube ich nichts. Aber da ist Aarau auch schwierig, die gehen fast alle nach Zürich. – Christel, 77J.
Die Anbindung an Aarau durch den öffentlichen Verkehr ist gut. Ich habe kein Auto, ich fahre mit dem Bus oder dem Velo. Die Bushaltestelle ist sehr nah, und es fährt alle 15 Minuten ein Bus, zu den Stosszeiten sogar noch häufiger. – Kurt, 69 J.
Es gibt fünf Bushaltestellen in Rohr, und die Länge der Strasse durch Rohr beträgt ungefähr zwei Kilometer. Rohr ist durch diese Strasse und den unablässigen Verkehr geprägt. – Harald, 72 J.
In Buchs steht eine gewaltige Menge Wohnungen frei, über 200, und es wird immer weiter gebaut und gebaut. In Rohr an der Aare ist auch nicht alles vermietet, und bei uns oben hat es auch viele leere Wohnungen. – Leo, 92 J.
Es ist schade, wenn ein Dorf überaltert ist. Das ist in Rohr zum Glück nicht so. Es gibt viele junge Familien hier. Auch die soziale und kulturelle Durchmischung ist gross. Ich sehe das als Bereicherung. – Christel, 77J.
In dem Sonnenbräunungsstudio war einmal ein Spielcasino drin. Da hat ein Rohrer Einwohner die Frau die da gearbeitet hat abgestochen. Das muss 1996 oder 97 gewesen sein. Ich war ganz frisch in Rohr. Danach hat sich natürlich keiner mehr da reingetraut. Der Ort war aber immer schon sehr suspekt. – Christel, 77J.
 
Das frühere Dorfzentrum befand sich beim alten Dorfbrunnen. Der steht immer noch.  Er wurde 1860 erstellt. Das „alte“ Rohr reichte vom Gemeindehaus bis weit hinaus. Heute baut man immer mehr in die andere Richtung, nach Aarau. – Harald, 72 J.
Beim Coop trifft man in Rohr am häufigsten Leute an. Dies ist aus meiner Sicht die heutige Ortsmitte. – Christel, 77J.
Der Rohrer Stadtteilverein ist sehr engagiert und macht sehr viel. Zum Beispiel klassische Konzerte, Neujahrsempfang, Seniorennachmittage. Wir haben dort schon vieles mitgemacht. Die Veranstaltungen finden überwiegend in der alten Turnhalle statt. Da gibt es auch eine Bühne. – Christel, 77J.
In Rohr gibt es noch zwei Bauernhöfe, und eine Fischzucht. Die Zucht ist sehr bekannt, da kann man auch direkt vor Ort Forellen kaufen. – Harald, 72 J.
In Rohr geht man nicht „auf die Gasse“, das macht man lieber in der Stadt. Da gibt es auch etwas zu sehen, da ist selbst das Leute anschauen interessant. Wenn ich durch Rohr spaziere, dann treffe ich häufig keinen Menschen. – Christel, 77J.
Für die vielen jungen Pärchen und Familien ist Rohr schon attraktiv zum wohnen. Das ist aber vor allem eine Kostenfrage. Und vielleicht ist es auch die Ruhe und dass man so schnell draussen ist in der Natur. – Christel, 77J.
Kulturell ist in Rohr leider überhaupt nichts los. – Christel, 77J.
Beim Friedhof gibt es einen riesigen Parkplatz, der ist gebührenfrei. Hier halten unterdessen sogar die Busse, und holen uns ab wenn wir zum Beispiel mit dem Verein 60+ einen Ausflug machen. Hier kann man das Auto noch den ganzen Tag stehen lassen, ohne etwas zu zahlen. Das ging früher auf dem Brügglifeld ja auch, doch plötzlich kostet das jetzt Gebühren. Deshalb treffen wir uns jetzt in Rohr. – Christel, 77J.