Unsere Handys ordnen Fotos automatisch nach Personen, die Gesichtserkennung in der Überwachung des öffentlichen Raumes erhitzt die Gemüter, während die automatische Bilderkennung den Redaktionen vielleicht bald als zusätzlicher Schreiberling dient.
Dr. Sabine Süsstrunk, Professorin für Bild und visuelle Darstellung (IVRL) und Leiterin des Digital Humanities Instituts (DHI) der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL), informiert über die Technik dahinter, wägt Chancen und Risiken ab und lässt Raum für Fragen.

Im Rahmen der Ausstellung «Netzwerk Schweizer Pressefotografie» begrüssen wir die Bildwissenschaftlerin Prof. Sabine Süsstrunk zum Abendvortrag «Wenn Computer Bildlegenden schreiben». Werden wir schon für die nächste Ausstellung nicht mehr selber Jahreszahlen, Orte, Personen, Geschehnisse, Fotograf und Copyright recherchieren, sondern das Zusammentragen von Metadaten dem Computer überlassen? Die Erwartungen an die automatische Bilderkennung für die Katalogisierung ganzer Fotobestände sind hoch, doch was ist tatsächlich möglich und was sinnvoll?
Im Alltag sind Begriffe wie Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning geläufig geworden und fast täglich lesen wir in den Medien darüber: «Apple macht KI-Framework zur Bilderkennung quelloffen», «Google Lens: Smarte Bilderkennung wird Teil des Assistants», «Snapchat: neue Filter erkennen euer Haustier». Vieles davon ist eine nette Spielerei, einiges tatsächlich von alltäglichem Nutzen und manches, wie zum Beispiel Überwachungssysteme mit biometrischer Gesichtserkennung, löst kontroverse Debatten aus. Doch welche Technologie steckt dahinter? Sabine Süsstrunk erklärt uns, wie Computer Bilder «lesen» können, wo die heutigen Möglichkeiten und Grenzen in der Anwendung liegen und gibt uns Einblick in ihre Forschung.