Im Rahmen der Ausstellung «Netzwerk Schweizer Pressefotografie» widmet sich das Stadtmuseum in einer Abendveranstaltung dem Thema «Ethik in der Pressefotografie». Darf man Bilder von Verletzten und Toten zeigen? Wo ist die Grenze zwischen informieren und schockieren, zwischen Empathie und Voyeurismus? Alessandro della Valle - Cheffotograf von Keystone - thematisiert diese aktuellen Fragen mit Beispielen aus seinem Berufsalltag. Auch geht es darum, wie die selbsternannten Leserreporter und die heutigen digitalen Möglichkeiten die Ethik der Pressefotografie in Bezug auf Veröffentlichung, Persönlichkeitsrecht und Bearbeitung der Fotografien verändert haben.

Seit zwei Fotografen erstmals für eine unerlaubte Fotografie verurteilt wurden - sie hatten sich ins Schlafgemach des frisch verstorbenen Otto von Bismarck geschlichen und ihn heimlich abgelichtet - sind fast 130 Jahre vergangen. Auch heute führen nicht autorisierte Aufnahmen von Verstorbenen, dramatische Bilder von Kindern auf der Flucht, Paparazziaufnahmen von Prominenten oder Schockbilder von Kriegs- und Unfallopfer zu hitzigen Diskussionen darüber, welche Fotografien publiziert werden dürfen und welche nicht. Auf der einen Seite steht der Anspruch an die Pressefotografien mit ihrem dokumentarischen Wert aufzuklären und dem Vergessen entgegenzuwirken. Auf der anderen Seite befinden sich die Medien im harten Konkurrenzkampf um die Aufmerksamkeit des Publikums, der oft mit immer krasseren, sensationelleren und emotionaleren Bildern geführt wird. Bereits im analogen Zeitalter wurden dazu inszenierte Fotografien, Retuschen, Collagen, dramatisierende und ästhetisierende Bildmanipulationen eingesetzt, welche die Glaubwürdigkeit der Fotografie in Frage stellten. Mit den digitalen Möglichkeiten sind die Bildbearbeitungen und damit die Dramatisierung von Fotografien noch einfacher geworden.
In seinem Vortrag geht der Pressefotograf Alessandro della Valle auf diese ethischen Fragen und Kontroversen in der Fotografie ein. Anhand konkreter Beispiele thematisiert er das Recht am eigenen Bild, die heutige Praxis bezüglich der digitalen Bildbearbeitung oder den Einfluss der selbsternannten Leserreporter auf den Berufsalltag der profes­sionellen Pressefotografen. Er gewährt spannende Einblicke in die tägliche Auseinandersetzung mit der Berufsethik und berichtet von seinen Erfahrungen als Agenturfotograf. Der Vortrag bietet Raum für Fragen und Diskussionen.
Im Anschluss können die Gespräche im gemütlichen Rahmen im Museumsfoyer bei einem Getränk weitergeführt oder die Wechselausstellung «Netzwerk Schweizer Pressefotografie» besichtigt werden. Die Ausstellung und das Foyer sind bis 21:00 Uhr geöffnet.

Eintritt:
Es gelten die Eintrittspreise des Stadtmuseums.