Einleitung

Das Stadtmuseum Aarau ist im Besitz einer bedeutenden Sammlung von ca. 2000 historischen fotografischen Glasnegativen und Glaspositiven. Dieser Bestand wird aktuell inventarisiert, digitalisiert und konservatorisch bearbeitet.

Das auf zwei Jahre angelegte Projekt kann dank der finanziellen Unterstützung von Memoriav (Verein zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz) realisiert werden.

Als Unikate sind die Glasplatten inhaltlich spannende Zeitdokumente und bieten Einblick in die technologische Entwicklung der Fotografie sowie in die individuelle Arbeitsweise der einzelnen Fotografen.

 

Bestand Wilhelm Hergert

Als erster umfangreicher Teilbestand werden die Gelatinetrockenplatten des Fotografen Friedrich-Wilhelm Hergert (1878 - 1933) bearbeitet. Hergert – geboren in Strassburg (FRA) – war ab 1907 als Mitarbeiter und später als Teilhaber des traditionsreichen Fotogeschäfts Gysi in Aarau tätig. In den Jahren 1924 bis 1927 entstand seine „Stadtchronik“ – eine fotografische Dokumentation des Aarauer Stadtbildes. Aus diesem Werk befinden sich 14 Mappen mit 281 Bromöldrucken und 239 Glasplattennegative im Stadtmuseum. Die Motive von Strassenzügen, Plätzen, einzelnen Gebäuden, Brunnen und Denkmälern vermitteln ein Bild der Stadt Aarau zwischen Tradition und Moderne.
Die Mehrzahl der 18 x 24 cm grossen Glasplatten wurde von Hergert aktiv nachbearbeitet. Nach der chemischen Entwicklung beschichtete er die Trägerseite häufig mit unterschiedlichen Lacken, um darauf Retuschen anzubringen. Ein oft wiederkehrendes Merkmal sind dabei die mit schwarzer Farbe aufgemalten Wolken, die sich später auf dem Papierabzug im Bereich des Himmels hell abzeichnen.

Inventarisierung

Bisher waren nur die Bromöldrucke detailliert inventarisiert. Nun werden auch die Glasnegative einzeln erfasst: jede Platte erhält eine Signatur und zusammen mit den Metadaten (alte Nummerierung der Platten, Angaben auf der Pergaminhülle, Bildinhalt etc.) erfolgt der Eintrag in die Museumsdatenbank (Museumplus).

Digitalisierung

Um die Bildinhalte im Istzustand zu sichern und online leicht zugänglich zu machen, werden sämtliche Glasplatten digitalisiert. Dies hat den Vorteil, dass das nicht risikofreie Hantieren mit den zerbrechlichen Originalen minimiert werden kann.
Die Digitalisate werden schwarz-weiss invertiert (d.h. in ein Positiv umgewandelt) und mit einer individuellen, weichen Tonwertkorrektur minimal bearbeitet.

Konservierung

Eine Digitalisierung macht die Originale nicht überflüssig, und ihre langfristige Erhaltung sicherzustellen ist ein wesentlicher Teil des Projekts. Dazu werden verschiedene Merkmale zur Beschaffenheit und Bearbeitung sowie zum Zustand der einzelnen Platten schriftlich erfasst. Zusätzlich wird auf einem Tablet an Hand einer Durchlichtaufnahme eine grafische Schadenskartierung erstellt. Die Glasplatten werden einer Reinigung unterzogen. Abschliessend werden die originalen Pergaminhüllen durch Vierklappumschläge aus hochwertigem Fotoarchivpapier ersetzt. Bei Platten mit Glasbruch oder Sprüngen ist besondere Vorsicht geboten: eine jeweils spezifisch angepasste Montierung  zur Sicherung bietet Halt und Schutz vor weiterer Beschädigung.